Lieber Kopf, wir müssen reden!
- Clara Chill

- 6. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

Neulich bin ich mit meinem Kopf spazieren gegangen. Ich hatte schwitzige Hände, aber ich musste das Thema nun wirklich mal ansprechen:
Lieber Kopf,
ich wollte Dir sagen, dass ich unser Miteinander oftmals richtig toll finde, deswegen kann ich auch einfach stundenlang nur mit Dir sein. Es macht Spaß, neue Dinge mit Dir zu erfinden, kreativ zu sein oder gemeinsam über spannende Themen zu sinnieren.
Aber es gibt eine Sache, die ich jetzt mal ansprechen muss:
Manchmal machst Du unser Leben so viel schwieriger, als es sein müsste. Vor allem dann, wenn Du Dich an bestimmten, oftmals völlig sinnfreien Themen festbeißt und stundenlang um sie kreist. Das ist unglaublich anstrengend und kostet mich jedes Mal viel Energie, Dich – beziehungsweise uns – da wieder rauszuholen.
Ich würde gern verstehen: Muss es immer soweit kommen? Brauchst Du in solchen Momenten etwas von mir? Kann ich Dir irgendwie helfen, damit Du nicht immer wieder in diese Gedankenschleifen gerätst? Gibt es einen Weg, leichter loszulassen?
Ich bin gespannt auf Deine Antwort.
Deine Clara
Liebe Clara,
erst einmal danke, dass Du mit mir sprichst und mich nicht einfach nur verurteilst. Ich weiß, dass ich Dich manchmal ganz schön erschöpfe und dass es sich für Dich so anfühlen kann, als würde ich Dich und uns in endlosen Schleifen festhalten.
Aber ich möchte Dir erklären, dass ich das nicht mache, um Dich zu ärgern. Mein Job ist es eigentlich Zusammenhänge zu erkennen, Probleme zu lösen und vor allem Dich zu (be)schützen, also Dich auf mögliche Gefahren vorzubereiten. Ich bin unglaublich gut darin, Muster zu finden – manchmal vielleicht sogar zu gut.
Wenn ich mich an einem Thema festbeiße, dann oftmals nicht, weil das Thema an sich so wichtig ist. Vielleicht suche ich dann eigentlich nach etwas anderem: nach Sicherheit, nach Kontrolle, nach einer Lösung oder nach dem Gefühl, etwas verstanden und abgeschlossen zu haben.
Manchmal glaube ich, wenn ich noch ein bisschen weiterdenke, finde ich endlich den Punkt, an dem alles ruhig wird.
Rein kognitiv weiß ich ja, bei vielen Themen gibt es diesen Punkt gar nicht. Manche Fragen lassen sich nicht durch noch mehr Denken lösen. Und trotzdem drehe ich weiter meine Runden...
Vielleicht könntest Du mir helfen, indem Du mich in solchen Momenten nicht bekämpfst, sondern mich wohlwollend daran erinnerst: „Ich sehe, dass Du gerade versuchst, etwas zu lösen. Danke dafür. Aber das ist gerade gar nicht Deine Aufgabe.“
Manchmal brauche ich vielleicht nicht noch mehr Informationen, sondern ein Signal, dass wir sicher sind. Einen Moment im Körper. Bewegung. Ruhe. Natur. Atmen. Etwas, das mir zeigt: Wir müssen gerade nichts optimieren oder reparieren.
Ich werde immer richtig viele Gedanken haben – das ist eine meiner größten Stärken. Aber nicht jeder Gedanke braucht Deine Aufmerksamkeit.
Ich verspreche Dir nicht, dass ich nie wieder kreise. Das gehört zu mir. Aber ich möchte mit Dir lernen, schneller zu merken, wann ich gerade hilfreich bin und wann ich Dich nur noch erschöpfe.
Danke, dass Du mich daran erinnerst, dass wir ein Team sind.
In Liebe,
Dein Kopf
Impuls:
Vielleicht magst Du heute einmal ausprobieren, Dich mit Deinem Kopf zu unterhalten.
Nicht, um ihn zum Schweigen zu bringen, sondern um ihn kennenzulernen.
Frag ihn doch mal:
Wovor möchtest Du mich gerade schützen?
Und höre ihm neugierig zu.
Was würde passieren, wenn Du ihm sagst:
"Ich höre Dich, ich sehe Dich! Danke. Für den Moment kannst Du Dich ein bisschen ausruhen."



