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Universum, es reicht langsam!

15. Okt.
4 Min. Lesezeit
Mit Pilzen malen
Mit Pilzen malen

Ehrlich gesagt habe ich dem Universum in letzter Zeit öfter mal den Mittelfinger gezeigt (im Anschluss vertragen wir uns dann immer). Im Außen hat es bei mir ordentlich geknallt, unter anderem durch einen Unfall, der mich sehr an meine Angstthemen gebracht hat.


So oder so ähnlich scheint es aktuell vielen Menschen zu gehen. Es erscheint mir fast wie eine Welle, die in den letzten Wochen durch uns hindurchgebraust ist und vielen von uns auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung genommen hat.


Und ehrlich gesagt kann ich das ganze positive Zugerede ("Gelaber") nicht mehr hören. Man kann die Dinge irgendwann auch einfach nicht mehr schöner reden, als sie sind.


TROTZDEM!

[haut mit der Faust auf den Tisch]


Es gibt diesen Anteil in mir, der einfach nicht aufhören kann, immer noch etwas Positives in den Dingen zu sehen. Der davon überzeugt ist, dass irgendwie alles immer genau so richtig ist, dass die Dinge für uns passieren und nicht gegen uns.


Das ist der Anteil, der mich schon durch so einige harte Phasen förmlich hindurchgezogen hat. Dieser Anteil hat in den letzten Wochen Höchstleistung betrieben. Für mich selbst, für all die anderen Anteile in mir, die schon längst keine Hoffnung mehr hatten, und auch für meine Klient*innen, denen es aktuell nicht besser geht.


Kennst Du diesen Anteil in Dir?

Vielleicht ist er gerade so leise geworden, dass Du ihn kaum noch wahrnehmen kannst. Oder Du erinnerst Dich nur noch daran, dass er einmal da war. Manchmal zeigt er sich auch in Gesprächen mit anderen Menschen, scheint aber wie verschwunden, sobald Du wieder allein bist.


Womöglich zeigt er sich auf eine ganz andere Weise, als Du vermutest: In dem Wunsch, etwas zu verändern, auch wenn Du gerade nicht weißt wie. In dem kleinen Impuls, Dir Unterstützung zu suchen. In dem Akt, Dir liebevoll einen Tee zu zubereiten, oder Dich dafür zu entscheiden, Deine letzte Energie zusammen zunehmen, um doch noch einen Spaziergang zu machen. Oder einfach darin, dass Du heute wieder aufgestanden bist.


Dank dieses Anteils bin ich nach vielen Wochen langsam wieder aus der Dunkelheit herausgeklettert. Das bedeutet nicht, dass es mir jetzt besonders gut geht. Aber es ist wieder erträglicher geworden. Und manchmal ist das schon eine ganze Menge.


Mittlerweile kann ich auch den Unfall mit etwas Abstand betrachten. Fast wie eine Art Entladung, ein Urknall, der noch einmal viele alte Themen und Ängste aufrütteln sollte, um diese in den Fluss zu bringen.


Was hat mir in den letzten Wochen geholfen, aus dem Loch herauszuklettern?

 

Vor allem habe ich versucht, mich zu entlasten. Ich habe mich auf das Allernötigste konzentriert: Essen, Schlafen, Arbeit. (für den Notfall halte ich immer ein paar Bio-Dosen-Suppen bereit) Ich habe mir zugestanden, dass es VÖLLIG OKAY ist, abends gerade noch genug Energie zu haben, um aufs Sofa zu kriechen, eine leichte Serie zu bingen und dabei einzuschlafen. Und, dass es VÖLLIG OKAY ist, jede Nacht fast zehn Stunden zu schlafen (es ging einfach nicht anders). Jeden einzelnen Glaubenssatz wie „Das ist nicht normal“, „So verpasse ich den halben Tag“ oder „Ich muss mehr aus meinem Leben machen“ habe ich dahinschmelzen lassen, statt ihm weiter Aufmerksamkeit zu schenken. (Schau an dieser Stelle gern in meinen Newsletter vom 04.08. „Lieber Kopf, wir müssen reden“. Wir müssen schließlich nicht jedem Gedanken nachgehen, den unser Verstand produziert.)


Ich habe versucht, mir selbst zuzuhören und dem zu folgen, was sich gerade stimmig angefühlt hat. Zum Beispiel habe ich mir für ein paar Euro Salbeipflanzen gekauft. Einfach, weil ich plötzlich das starke Bedürfnis danach hatte, ohne genau zu wissen, warum (vielleicht hat sich hier auch meine innere Hexe gemeldet). Erst gestern habe ich erfahren, dass das lateinische „salvere“ so viel wie „heilen“, „retten“ oder „gesund machen“ bedeutet. Salbei bedeutet sinngemäß also „die heilende Pflanze“. Na wenn das mal nicht intuitiv war!


Ich habe Morgens, Mittags, Abends mit meinem Energetik-Spray herumgesprüht und mit jedem Sprühstoß ganz bewusst alles losgelassen, was sich schwer angefühlt hat.


Ich bin in den Wald gefahren und habe ganz laut gebrüllt (die Wut musste mal raus).


Ich habe mich selbst physisch umarmt und mir auf die Schultern geklopft. Ich habe mich geschüttelt, meinen Körper à la Qigong abgeklopft und ganz sanft bewegt. Damit auch er weiß, dass ich ihn sehe.


Das alles sind vielleicht Kleinigkeiten. Aber genau darin liegt für mich ihre Wichtigkeit: Wir können auch in schweren Zeiten kleine Momente schaffen, in denen wir uns bewusst uns selbst zuwenden. Indem wir unseren Impulsen folgen, uns etwas erlauben oder Dingen eine Bedeutung geben, die sich für uns stimmig anfühlt. Vor allem, indem wir anerkennen, dass diese kleinen Momente schon eine ganze Menge sein können. Was ist, wenn Du Dich jetzt einfach mal richtig doll umarmst, weil Du heute aufgestanden bist und jetzt hier bist und diese Zeilen liest! Manchmal ist es absolut genug, für uns selbst da zu sein, so gut es eben gerade geht.


Ach und noch etwas: Gerade verbeuge ich mich sogar vor mir selbst: Einfach, weil ich noch hier bin und jeden Tag aufs neue probiere.


Und bei all der liebevollen Zuwendung zu mir selbst entdecke ich etwas wichtiges immer wieder: Ich muss nicht alles mit mir allein ausmachen.


Als geborene Eigenbrötlerin gehe ich durch schwere Phasen am liebsten mit mir selbst. Mein bisheriges Narrativ war immer: Wenn ich schon keine Energie mehr habe, dann erst recht nicht für andere Menschen.


Aber ich habe in den letzten Wochen bewusst versucht, mehr in den Kontakt zu gehen und dabei festgestellt, dass ich aus Begegnungen Energie schöpfen kann. Vorausgesetzt, ich bleibe gut mit mir selbst verbunden und achte auf meine Grenzen.


Denn egal, wie gut wir darin geworden sind, alles mit uns selbst auszumachen: Manchmal brauchen wir einfach ein Gegenüber. Jemanden, der uns zuhört, uns versteht, mit uns lacht, weint oder uns eine andere Perspektive gibt.


Und diese Verbundenheit kann ganz unterschiedlich aussehen. Ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen, eine Selbsthilfegruppe, ein Online-Austausch oder eine der vielen teilweise kostenfreien Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten.


„Und, was hast Du in den letzten Wochen so gemacht?“
„Ach, weißt Du … mich meinen Ängsten gestellt, alte Glaubenssätze hinterfragt, mit meinem inneren Kritiker diskutiert, ein paar emotionale Achterbahnfahrten überlebt, mein Nervensystem wiederholt daran erinnert, dass wir gerade nicht in Lebensgefahr sind, zwischendurch an allem gezweifelt, mich wieder aufgerappelt und versucht, bei all dem nicht meinen Humor zu verlieren. Und Du so?“

Sei gut zu Dir. Würdige die kleinen Schritte, die Du jeden Tag gehst, auch wenn sie sich manchmal gar nicht danach anfühlen. Und vergiss nicht: Das, was Du gerade schaffst, darf genug sein.

 
 
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